Ratsch! Nicht schön genug gespielt? Da riss der Vater durchaus schon mal die Noten durch und verordnete Etüden, Etüden und nochmals Etüden. Episoden wie diese waren an unserem Clara-Schumann-Abend am 9. November ebenso zu hören wie Sololieder und Duette der Romantik.

Auch andere Geschehnisse zogen die Zuhörerinnen und Zuhörer in den Bann. Etwa die verbotetene Liebe Claras zu Robert Schumann: Erst per Gericht schafften es die beiden Liebenden, sich gegen des Vaters Willen zu behaupten und zu heiraten. Dann folgte eine glückliche Zeit als junge Mutter und liebende Ehefrau, bevor sich dunklen Schatten um die Familie legten und Robert Schumann schwer erkrankte und schließlich starb. Die Freundschaft (oder Liebe?) Claras zum jungen Johannes Brahms war ebenfalls Thema dieses Abends.

Lebendige Briefe und romantische Musik

Besonders lebendig wurde die Künstlerin, weil Stefanie Fersch vor allem aus Briefen las. So kamen Clara und Robert ebenso zu Wort wie der scheltende Vater und der verliebte Brahms. Die Fäden der Texte spannen sich unvermittelt weiter in den mit Bedacht ausgewählten Liedern. Jugendliche Sehnsucht, Liebesglück, Trauer und pulsierendes Herzeleid strömten aus den romantischen Liedern. Und vieles von dem, was zuvor als Text zu hören war, kam nun nochmals als Musik zu Gehör. Darunter Lieder und Duette von der berühmten Komponistin und Pianistin selbst und von ihren wichtigen Weggefährten Robert Schumann, Johannes Brahms und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Gesangssolisten von Piano & Voice ließen hören, was sie in den Wochen und Monaten zuvor im Unterricht bei Stefanie Fersch im Unterricht erarbeitet hatten. Am Flügel begleitetete Annemarie Weibezahn. Die Textauswahl und Gesamtleitung lag bei Stefanie Fersch.

Anerkennung für eine moderne Frau im 19. Jahrhundert

Die Gäste ließen sich gerne mitnehmen auf die etwa einstündige Reise durch Claras Leben. Konzentriertes Lauschen, ungläubiges oder anerkennendes Murmeln und auch hier und da Schmunzeln. Die rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer ließen sich sichtbar in den Bann ziehen. Und von vielen war im Anschluss Überraschung zu hören über diese facettenreiche Frau.  Auch Bewunderung schwang bei vielen mit: „Sie hatte acht Kinder, war früh Witwe, erfolgreiche Künstlerin und managte das künstlerische Vermächtnis ihres Mannes – und das alles im 19. Jahrhundert“, bemerkte eine der Zuhörerinnen. „Sie war eine sehr moderne Frau“, bestätigte eine andere Besucherin.

„Clara Schumann kannte ich vorher nur als Porträt auf dem Hundertmark-Schein“, bekannte nach dem Liederabend einer der Zuhörer, der ergänzte: „Ich fand es heute abend sehr abwechslungsreich, so viel aus ihrem Leben zu erfahren.“ Auch der Rahmen gefiel vielen Gästen: „Ich wusste gar nicht, dass Piano & Voice hier in der Hochstraße einen solch schönen Konzertsaal hat“, gab eine Besucherin zu, die erstmals die im März 2019 bezogenenen Räume besuchte. „Das ist ja ein perfekter Ort für solche Konzertlesungen.“

 

Kunstlied als Herausforderung für Gesangsschüler

Auch für die Sänger und Sängerinnen war es ein besonderes Vergnügen, ihr wochenlang einstudiertes Sololied oder Duett nun im Rahmen der biografischen Notizen und der weiteren musikalischen Stücke zu sehen. „Die Lieder sind so kurz: Da muss wirklich direkt die richtige Stimmung da sein. Sonst ist das Lied ja schon wieder vorbei“, berichtete eine der Sängerinnen. „Die Text sind so komprimiert: In ganz wenigen Zeilen steckt ganz viel drin,“ schwärmte eine andere Gesangsschülerin. „Mir hat das unheimlich viel Spaß gemacht, zu erleben, wie sich der Textinhalt in der Musik wiederspiegelt.“

So erfuhr die große Künstlerin im Jahr ihres 200. Geburtstags einen schönen Abend mit viel Anerkennung und spannenden Details und wunderbarer Musik von ihr selbst und ihren Zeitgenossen. Schön war’s!